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Wort zur Woche vom 12.11.2012 – Halloween

Halloween

 

Soll man sich als kirchlich verbundener Mensch über die zunehmende Ausweitung des Halloween-Fests ärgern? Darüber, dass die eigenen Kinder beim abendlichen Rundlauf „Süßes oder Saures“ mitmachen wollen? Darüber, dass allernorts die Halloween-Parties aus dem Boden sprießen und Deko-Artikel zuhauf in den Regalen stehen? Was ist es eigentlich, was einem an dem invasiven Trend aus den USA nicht behagt? Die aufgeregten Kinder, die abends an der Tür klingeln und Süßes einfordern, können das Unbehagen wohl nicht ausmachen, auch wenn der fordernde Charakter dieses Heischebrauches ein leichtes Unwohlsein hinterlässt. Bei unseren alt hergebrachten Heischebräuchen wie z. B. den hiesigen Sternsingern gehen die Kinder herum und sagen Gedichte auf oder tragen Lieder vor, um etwas zu empfangen – die Sternsinger ziehen sogar zum Wohle anderer durch den Ort! Was mich eher traurig macht, ist die seit Jahren zunehmende Kommerzialisierung der Feste – egal, welcher Art. Lebkuchen im September, Christmas-Parties und Einkaufsboom in der Adventszeit, Schokohase statt Auferstehungshoffnung, es gäbe vieles aufzuzählen. Halloween ist darunter nur eine Erscheinung unter vielen. Dass sich Bräuche wandeln und Neues aufgenommen wird, ist gar nicht so unüblich. Und da wir hierzulande früher auch etliche Heischebräuche kannten und wir selbst Rübengeister als Kinder schnitzten, ist Halloween abgesehen von der seltsamen Verkleidung gar nicht so fremdartig. Wenn es denn beim Kürbisschnitzen und dem abendlichen Rundgang bliebe. Aber offensichtlich gibt es einen Großteil unserer Mitmenschen, die dieses Datum nutzen, um exzessiv zu feiern. Nichts gegen Feste und Feiern! Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass diese Art des Feierns sinnentleert geschieht. Was feiert man denn überhaupt? Sicher nicht den Vorabend des Allerheiligenfests, auf das der Name eigentlich zurückgeht. Sicher nicht den eigenen Mut, gegen böse Geister anzugehen, wie vor Jahrhunderten die Iren das Fest auffassten. Man nutzt mittlerweile einfach jeden Anlass, um besinnungslos zu feiern, abzutanzen und abzugleiten… Nicht nur die Jugend tappt in diese Betäubungsfalle, auch ihre Vorbilder feiern die Feste, wie sie eben fallen. Beim Weihnachtsfest muss alles stimmen: von der Deko über das Festmahl bis zum auserlesenen Geschenk, und weil es das Fest abrundet, geht man ausnahmsweise auch mal zum Gottesdienst an Heilig Abend. Aber wo bleibt die Freude? Wo bleibt das existentielle Berührtsein von der tiefen, unbegreiflichen Aussage, dass der allmächtige Gott Mensch wurde? Dass mit der Geburt Christi unser Leben nicht mehr grundsätzlich dunkel bleiben muss. Der Glaube ist unserer Gesellschaft abhanden gekommen, das ist das Grundproblem. Nicht dass Halloween unglücklicherweise auf den Reformationstag fällt. Auch ohne Halloween würde dieses Fest grundsätzlich an Interesse verlieren. Denn wen berührt noch das unerschrockene Vorgehen eines mittelalterlichen Mönches, der seine eigene Überzeugung durch intensives Bibel¬lesen gewonnen und selbst auf Lebensgefahr hin verteidigt hat? Die Frage nach dem gnädigen Gott – heute völlig überholt? Vielleicht muss man das Phänomen „Halloween“ eher als eine Art Chance verstehen! Die evangelische Kirche bemüht sich seit Jahren das Reformationsfest wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken, sei es durch die vom Evangelischen Jugendwerk Stuttgart angestoßenen „Church nights“, die es auch in unserem Kirchenbezirk vereinzelt gibt, oder durch besondere Abendgottesdienste und Filmabende, die durch den 2003 gedrehten Luther-Film mit Joseph Fiennes inspiriert worden sind. Christen, denen der Kampf ihres unfreiwilligen Kirchengründers noch etwas sagt, besuchen solche Veranstaltungen. Auch aufgeweckte Jugendliche, die die Hohlheit der konsumgüterindustrie-geförderten Feste spüren, finden den Weg zu den church nights. „Mehr Sein als Schein“, dass dieses grundsätzlich existentielle Bedürfnis wieder stärker in unserer Gesellschaft spürbar wird, das wünsche und erhoffe ich mir.

 Ihre Pfarrerin Sylvia Unzeitig