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Wort zur Woche vom 19.07.2012 – Spuren

Spuren

Meine Kinder hinterlassen gerne und oft Spuren. Letzten Sonntag erst: als ich von den Gottesdiensten nach Hause kam, schrubbten sie gerade den Balkon, weil sie ihn mit Farben bei ihren Experimenten vollgekleckst hatten. Oder der Abschuss vor drei Jahren: am Vorabend unseres Urlaubs fiel ihnen ein, mit Steinen Kreuze in den Lack unseres fast neuen Autos zu ritzen. Das Ergebnis, die Spuren, kann man heute noch „bewundern“! Was mir damals fast den Atem raubte vor Ärger und Wut nehme ich heute gelassen und fast gerührt als nettes Andenken an die Kleinkinderzeit wahr – immerhin waren es ja Kreuze, passend zum Beruf der Mama…

Spuren haben also einen Urheber, jemanden, der die Spuren hinterlassen hat – und sie weisen in die Vergangenheit. Viele Menschen, angefangen von den Eltern und den Geschwistern, haben Spuren in unserem Leben hinterlassen. Sie haben uns geprägt. Wegen ihnen und vielen anderen, die unseren Lebensweg mitbegleitet, auch mitbeeinflusst haben, sind wir heute so, wie wir sind. Ich behaupte auch, dass uns unsere Dorfgemeinschaft, unsere Umgebung beeinflusst: bei den wenigen Beerdigungen, die ich z. B. in Renfrizhausen machen durfte, wurde mir klar, welch entscheidende Rolle der Kirchberg bei den Leuten gespielt hat. Dort konnte man Geld dazuverdienen, wenn man bei der Ernte half, dort vergnügte sich die Jugend und fand vielleicht den Mann oder die Frau fürs Leben. Und heute ist er der Ruheort, das Ausflugsziel, wo die Seele sich erheben kann und Kraft kriegt für den Alltag. Der Kirchberg als Spur in unserer gemeinsamen Lebenserfahrung…

Am Donnerstag war ich auf der Landessynode, die ausnahmsweise in Balingen stattfand, und wurde per Zufall Zeugin eines Theaterstücks, das evang. Theologiestudierende aus dem Ev. Stift zum Thema „Evangelisch in Württemberg“ einstudiert hatten. 10 Personen aus der württembergischen Kirchengeschichte traten auf, die mit ihrem Leben und Handeln Großes bewirkt hatten. Als ich eintraf, kam gerade der Pfarrer Blumhardt aus dem 19. Jahrhundert zu Wort. Der Student, der in seine Rolle geschlüpft war, begann: „Leitend für meinen Beruf war die Erkenntnis, dass Jesus der Sieger ist“. Und er erzählte von dem Gebetskampf, der schließlich Gottliebin Dittus aus Möttlingen von ihrer Krankheit oder Besessenheit befreite. Diese Worte trafen mich tief ins Herz, denn ich fragte mich, ob ich angesichts von schweren Krankheiten wirklich an eine Heilungsmöglichkeit glaubte oder nicht. Zumindest hatte ich mich noch nie in einen solchen 2-jährigen Gebetsmarathon gestürzt wie dies Blumhardt getan hatte. Wie stark ist unser Glaube, wie sehr vertrauen wir Gott? Könnten wir viel mehr bewirken, wenn wir uns ganz und gar in Gottes Hand fallen ließen? Die Spur des Johann Christoph Blumhardt hatte mich wieder einmal stark beeindruckt. Eine einsame Spur in Württemberg…

Spuren führen in die Vergangenheit, doch können sie auch in die Zukunft weisen? Blumhardt glaubte aus vollem Herzen, dass Jesus Sieger ist – und er ist auch Sieger, denn uns erwartet nach dem Tod ein Leben in seiner Herrlichkeit. Weil unser Leben hier auf Erden so annehmlich geworden ist, sehnt es nur kaum einer herbei. Doch dieses Leben bei Gott wird alles übersteigen, was wir jemals als Glück empfunden haben mögen. Dort werden ehemalige Nachbarn keinen Streit mehr haben, werden sich Geschiedene wieder ihres wunderbar-verzauberten Anfangs erinnern, werden Familienbrüche wieder geheilt und vergeben. Unsere eigenen Fehler und Schwächen werden nicht zur Debatte stehen, denn Jesus hat all das auf sich genommen, hat den Sieg für uns erworben. Das sollten wir im Blick haben, dieser Spur folgen, wenn uns Leid und Krankheit überfallen. Denn „dass Jesus siegt, bleibt ewig ausgemacht“ (Ev. Gesangbuch Nr. 375).

Ihre Pfarrerin Sylvia Unzeitig