Wort zur Woche vom 29.10.2012 – Damit sie alle eins sind
Damit sie alle eins sind…
Ich merke in meiner Arbeit immer wieder, wie schwierig das ist: alle unter einen Hut zu kriegen. Das hat schon in der Kirchengeschichte nicht geklappt und es klappt auch heute nicht. Trotzdem sehe ich es nicht ein, mich davon entmutigen zu lassen. Denn der Auftrag Jesu aus dem Johannesevangelium ist eindeutig. In seinen Abschiedsreden betet Jesus für seine Jünger: „Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe der Grund der Welt gelegt war. Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.“ (Joh. 17,21-26)
Man kann wissenschaftlicherseits sicher viel diskutieren über Profilbildung und Positionierungen, die aus Überzeugungen und Einsichten entstehen, aber wenn sie trennend wirken? Der Kirchenlehrer Augustin hat einmal gesagt: „Liebe, und dann tu was Du willst!“ Es mag sein, dass die Welt sich durch schmerzhafte Trennungen (man denke nur an die Reformation, die bald ihr 500. Jubiläum feiert) weiter entwickelt hat, aber ob sie dadurch „besser“ geworden ist? Man mag es bezweifeln. Die Liebe, die ich in ihrer Vollkommenheit nur im Glauben erlebe, erscheint mir eine bessere Ratgeberin zu sein als jede vernunftgeleitete Überzeugung. Mir ist klar, dass dies eher eine „mystische“ Weltanschauung ist und Menschen sind verschieden gestrickt – und jede Gabe hat ihren ganz eigenen Wert! Doch letztlich, wenn unser Blick auf das Wesentliche, auf die Ewigkeit hin geht, kommt es doch nur auf die Beziehung zu unserem Gott und unserem Nächsten an. Der Heilige Martin hat dies übrigens vorbildlich vorgelebt. Viel Freude beim Erinnern seines Gedächtnistages am 11.11.!
Ihre Pfarrerin Sylvia Unzeitig