Wort zur Woche vom 27.07.2012 – Flügel der Morgenröte
Flügel der Morgenröte
Pippi Langstrumpf, Michel von Löneberga, Kalle Blomquist – wer kennt sie nicht, die Kinder in den Büchern von Astrid Lindgren? Gerne habe ich sie früher gelesen und auch als Erwachsene lasse ich mich ab und zu aus dem Alltag in diese Welt entführen. Der Sommer, warme und sonnige Tage, die Natur können uns helfen, das Gewohnte für einige Zeit hinter uns zu lassen, aufzuatmen, uns auf andere Gedanken bringen. Neue Gedanken kommen eben auch durch das Lesen.
Pelle verhilft uns zu einer anderen Sicht der Dinge. Wir finden ihn in Astrid Lindgrens Buch „Ferien auf Saltkrokan“. Es entführt auf die vor Stockholm gelegene Schäreninsel. Pelles Familie verbringt dort ihren Urlaub. Und was sie da erleben, bringt der einzige biblische Satz dieses Buches auf den Punkt. Pelle hört ihn zufällig, weil er sich unter einem offenen Fenster versteckt hält. Drinnen liest Frau Vestermann für sich laut in der Bibel. Im Roman heißt es: „Pelle verstand es auch nicht, aber ihm schien so, als wäre es etwas aus der Bibel. Sie hatte eine eintönige Stimme, aber sie las ohne Stocken. Pelle horchte. Auf einmal kamen einige Worte, die aus dem Unerklärlichen heraustraten und zu schimmern begannen, wie Worte manchmal für ihn schimmern konnten. Oh, wie klang es schön!“ „Nähme ich Flügel der Morgenröte, machte ich mir eine Wohnung zuäußerst am Meer“, las Frau Vestermann und dann seufzte sie auf einmal auf, ehe sie weiterlas. Aus der Fortsetzung machte sich Pelle nichts. Es waren nur diese Worte, die durfte er nicht vergessen. Er murmelte sie leise vor sich hin“ (Psalmvers nach einer schwedischen Bibelübersetzung).
Zu einem solchen Ort wurde Saltkrokan für Pelles Familie: Ein Ort wie auf den Flügeln der Morgenröte, eine Wohnung am äußersten Meer. Er war gar nicht so weit von ihrem Zuhause entfernt. Sie hatten ihn mehr oder weniger zufällig entdeckt. Pelle hat die Kraft gespürt, die aus dem 139. Psalm spricht. Und es machte ihm auch gar nichts aus, dass er für sich nur den ersten Teil hört. Doch auch der zweite Teil ist wichtig – nun in der Lutherübersetzung: “So würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“
Ich wünsche Ihnen, dass Sie gut durch die Sommermonate kommen. In Gottes Schöpfung Orte entdecken, wie auf den Flügeln der Morgenröte, eine Wohnung finden am äußersten Meer – von Gott gehalten und geführt – in der Ferne, in der Nähe oder einfach zu Hause.
Von Monika Schnaitmann
Diesen Wünschen schließe ich mich an!
Ihre Pfarrerin Sylvia Unzeitig